Sven Seeliger mit Wut im Bauch in Schlüchtern.

Erst am Freitag vor dem Rennen in der Nähe von Fulda, war der Fiesta auf dem Prüfstand des Tuners Voss Motorsport in Ladbergen. Das Ersatztriebwerk für den in Buxtehude zerstörten Motor hat zwar einen besseren Drehmomentverlauf bekommen, was aber zu Lasten der Spitzenleistung ging. Dennoch gelang es dem Motorenbauer eine Leistung von deutlich über 200 PS aus dem Aggregat zu zaubern. So konnte man sich nur überraschen lassen, zu welchen Ergebnissen der Fiesta damit fähig sein würde. Wer den Rethemer kennt weiß das Sven in der Lage ist, einige PS durch sein fahrerisches Können auszugleichen. Mit einer guten Portion Zuversicht und Selbstvertrauen ging es dann am Freitag Mittag direkt vom Tuner zur Rennstrecke nach Schlüchtern im Main-Kinzig-Kreis, ca.30 Km südlich von Fulda, wo am selben Abend noch das etwa 8 x 6m große Vorzelt des Transport-Lkw aufgebaut wurde. Der ehemalige Transporter für Bettmatrazen ist bereits vor Jahren zum Wohnmobil umgebaut worden, und nun schon viele tausende Kilometer auf europäischem Asphalt zu Hause. Außerdem wurden gleich alle nötigen Werkzeuge, der Kraftstoff und auch die Rennreifen im Zelt für das Rennwochenende bereit gelegt.

Am Samstag gab es zunächst für die Teammitglieder – die wegen der Schulferien endlich mal wieder durch Sven’s Ehefrau und seine beiden Kinder verstärkt wurden – nicht viel zu tun. Das Rennfahrzeug war optimal vorbereitet und der Zeitplan des MSC Schlüchtern hatte nur die Papier- und die technische Abnahme des Fahrzeugs auf dem Plan vorgesehen. Sowohl mit dem Fiesta, als auch mit der Ausrüstung, waren die Offiziellen wie immer sehr zufrieden.
Erst in den frühen Abendstunden durften sich die Akteure in zwei freien Trainingssitzungen mit der überarbeiteten Rennstrecke, die jetzt nahezu vollständig aus Asphalt besteht, vertraut machen.
Zunächst verliefen die Trainingsrunden auch ohne große Probleme und gaben Anlass zu Optimismus. Gegen Ende des zweiten freien Trainings allerdings, brach der hintere rechte Radträger auseinander, so dass Seeliger vorzeitig aus dem Fahrzeug steigen musste und „Phönix“ mit einem Schleppfahrzeug in seine „Werkstatt“ gebracht werden musste.
„Phönix“ ist übrigens der Spitzname des Ford, den er von Sven’s Töchtern verpasst bekam.

Der zerbrochene Radträger aus speziellem Aluminium war schnell ausgebaut und der Gesamtschaden ermittelt. Sofort wurde klar, dass ein entsprechendes Ersatzteil nicht vorrätig ist und sich auch kein Ersatz beschaffen läßt, weil es sich beim dem Teil um ein handgefertigtes Bauteil handelt. Die jahrelange Erfahrung, der Teamgeist und nicht zu letzt der „Biss“ von Sven Seeliger und seinem Teammitglied Christian Hüser ist es zu verdanken, dass doch eine Lösung gefunden wurde. Nach Unmengen von Telefonaten mit seinem Vater und einer Menge guter Freunde aus dem Motorsport gingen die Überlegungen soweit, eine Serienhinterachse am Sonntag aus Rethem nach Schlüchtern mitbringen zu lassen.
Einem glücklichen Zufall und der Mithilfe des Sportkollegen Hans Kirchoff war es zu verdanken, dass eine viel bessere und einfachere Lösung gefunden wurde. Nachbar und Freund von Hans, der ehemalige DTM-Betreuer Tibor Molnar erklärte sich bereit, das zerbrochene Aluminium in seiner eigenen Werkstatt zu reparieren. Sprach’s und verschwand mit unserem Teammitglied für unbestimmte Zeit …….. die dann um 00.45 Uhr dadurch zu Ende ging, dass Tibor ein perfekt geschweisstes Teil auf den Zeltboden legen konnte. Mit viel Sach- und Fachverstand hatte er es geschafft, das Team Seeliger im Rennen zu halten. Noch in der Nacht wurde das Teil eingebaut, so dass am nächsten morgen nur noch provisorisch der Sturz des Hinterrades eingestellt werden brauchte.
Sonntag Morgen, pünktlich um 08.00 Uhr zum Warm Up, war der Renner wieder bereit für eine Kontrollfahrt, die er auch zur Zufriedenheit aller ohne weitere Zwischenfälle zu Ende gebracht werden konnte. Mit neuem Mut, und einem zufriedenem Lächeln auf dem Gesicht sollte es so in das Zeittraining (Pflichtteilnahme) gehen.

Der Ewald-Pauli-Ring ist der einzige Links herum gefahrene Kurs in Deutschland. Vielleicht deshalb gehört diese Rennstrecke nicht zu Sven’s Lieblingsstrecken im Rallycross. Außerdem besitzt der auf einer alten Mülldeponie gebaute Ring, der auch für Auto- und Motocross genutzt wird, eine besondere Charakteristik. Es sind einige Höhenmeter und Senken zu durchfahren, die keine gute Vorausschau zulassen. Dennoch gelang es dem Rethemer im Pflichttraining die schnellste Zeit seiner Klasse in den Asphalt zu brennen. Die vorgelegte Zeit beeindruckte die Konkurrenz sichtlich. Der Alublock hält … Gott sei Dank!
Wie auch in der Formel 1 können die wichtigsten Elektronikwerte aus den Steuergeräten mit Hilfe eine PC ausgelesen werden. Zunächst wurden auch keine Auffälligkeiten gemessen.
Im späteren Rennverlauf stellten sich aber doch immer wieder kleine technische Probleme ein. Der neue Motor hatte durchgehend niedrigen Öldruck, was zunächst für etwas innere Unruhe aller Beteiligten sorgte. Natürlich steckte noch die Angst aus Buxtehude wegen eines neuen Motorschaden in den Knochen. Aber ein Anruf beim Tuner brachte etwas Ruhe zurück, weil er die Werte für durchaus „normal“ beschrieb.
Später bekamen die Teammitglieder einen Anschiss, weil sie anscheinend vergessen hatten den Boliden zu tanken. Aber schnell stellte sich heraus, dass ein verstopfter Benzinvorfilter in der Benzinpumpe schuld an dem aussetzendem Benzindruck war. Aber auch dieser Defekt konnte zeitnah und ohne großen Aufwand behoben werden. Nun blieb nur noch die Fahrertür, die in allen drei Vorläufen immer wieder aufging. Selbst Gummispannbänder oder dicke Kabelbinder konnten den Rennleiter nicht Milde stimmen. So gab es vor dem Finallauf erstmal die „gelbe Karte“ mit dem Hinweis auf eine mögliche Qualifizierung, wenn das Problem nicht beseitigt würde.
Auch eine abgebrochene Drehmomentstütze vom Getriebe konnte mit erneuter Unterstützung von Tibor Molnar schnell repariert.
Trotz aller technischer Probleme duellierte sich Seeliger in den Heats 1 und 2 mit Mandy August um Platz 2 bzw. 3.

Im Heat 3 sicherte er sich mit einer furiosen Fahrt und der Bestzeit bei den Super 1600ern den Startplatz 2 direkt hinter Rolf Volland, der wie immer in seiner eigenen Liga fuhr. Man könnte meinen, Sven hätte sich in den Vorläufen den ganzen Frust von der Seele gefahren hat.
Nach spektakulären und spannenden Zweikämpfen und einem ereignisreichen Wochenende ging es in das Finale des 3. Laufes in der deutschen Rallycross-Meisterschaft. Genau zwischen seinen Mitstreitern Volland und August ging es in der ersten Startreihe auf die Reise. Nach gutem Start reihte sich der ehemalige Europameister als zweiter ein. Trotz geringerer Motorleistung verlor Seeliger nur wenige Meter auf den vielfachen Deutschen Meister im Rally- und Autocross Rolf Volland.
Den bereits sicher geglaubten zweiten Platz musste der Familienvater aber dann in der dritten Runde kampflos den nachfolgenden Fahrern überlassen. Die Schweißnaht am hinteren Radträger riss wieder auf, so dass sich das Hinterrad schräg stellte. Die Spurführende Hinterachse konnte nun ihrer Aufgabe nicht mehr gerecht werden, wodurch Seeliger nach links von der Strecke abkam und sich im Kies drehte. Diesen Dreher überstand nun aber auch die Aufhängung des linken Vorderrades nicht mehr. Der Bolzen des Dreiecklenkers brach, wodurch dann auch die Antriebswelle abriss.
Das vorzeitige Ende war zwar eine riesige Enttäuschung für den ehrgeizigen Motorsportler, der dennoch ein paar wichtige Punkte auf seinem Meisterschaftskonto gutschreiben durfte.
Wenn ich schon nicht aufs Treppchen gekommen bin, so habe ich doch wenigstens mit spektakulären Aktionen auf mein Team und die Sponsoren medienwirksam aufmerksam machen können“ sagte der Hausmeister mit einem gewissen Galgenhumor.
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